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Der Straßenlampeneffekt der Pädagogik und der Prüfungen

Foto: Pascal Fieseler, Agentur J&K

Jörans Kolumne aus der PÄDAGOGIK

Als die Polizistin spät am Abend die Straße patrouillierte, fiel ihr der Betrunkene auf, der um einen Laternenpfahl herum auf dem Fußweg kroch. Auf Nachfrage erklärte der Betrunkene, dass er seine Schlüssel verloren hatte, die er nun suche. Die Polizistin sah sich um, aber auch sie konnte die Schlüssel nicht finden. „Sind Sie sicher, dass Sie die Schlüssel an dieser Stelle verloren haben?“, fragte sie. Der Betrunkene antwortete: „Nein. Das war wohl drüben, auf der dunklen Straßenseite.“ Die Polizistin war verwirrt: „Aber warum suchen Sie dann hier?“ Für den Betrunkenen war die Sache klar: „Drüben ist es zu dunkel, um etwas zu erkennen! Deswegen suche ich hier, unter der Laterne.“

Diese Anekdote, die in verschiedenen Überlieferungen existiert, beschreibt den sogenannten Straßenlampeneffekt. Mit diesem Begriff wird in Debatten um wissenschaftliche Forschung die Tendenz beschrieben, dass Forscher*innen nicht unbedingt die relevantesten Effekte untersuchen, sondern diejenigen Effekte, die gut zu untersuchen sind. Wenn der Gegenstand von Interesse schlecht quantifiziert oder schlecht beobachtet werden kann, zieht man stattdessen solche Daten heran, die einfacher zu messen sind – aber nicht unbedingt das eigentliche Erkenntnisinteresse widerspiegeln.

Die 4Ks – Beliebig oder bahnbrechend?

Cover der Pädagogik-Ausgabe 12/21

Jöran Muuß-Merholz hat für die PÄDAGOGIK die 4K-Skills grundsätzlich und konkret beschrieben.

Die „4Ks“ umfassen vier Fähigkeiten, die mit dem Buchstaben K beginnen: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration. So weit, so einfach. Aber über jede Konkretisierung darüber hinaus existiert – vor allem in der deutschsprachigen Debatte – wenig Einigkeit. Vielmehr findet man zur Ausgestaltung der vier Fähigkeiten sowie zu ihrer Einbettung in einen größeren Rahmen ein buntes Mosaik an Konzepten, Interpretationen und Meinungen. Nichtsdestotrotz inspirieren die 4Ks sowohl in theoretischen Diskussionen als auch in der Praxis das WIE und das WAS des schulischen Lernens.

Die größte Herausforderung für alle Schulen

Foto: Pascal Fieseler, Agentur J&K

Jörans Kolumne aus der PÄDAGOGIK

„Welche ist die größte Herausforderung, die in Ihrer Schulentwicklung derzeit ansteht?“ Das frage ich gerne, wenn ich für Vorträge in Schulen zu Gast bin. Die Antworten sind vielfältig, und es gibt Konjunkturen. Vor ein paar Jahren dominierten die Schlagworte Inklusion, Individualisierung und Binnendifferenzierung, ab 2015 verstärkt mit der Aufgabe, Schüler*innen mit Fluchterfahrungen zu unterstützen. An vielen Orten geht es um die inneren Umbauten, die aus äußeren Vorgaben folgen, beispielsweise nach Umstellungen im Schulsystem. In den letzten Jahren werden zunehmend gesellschaftliche Themen genannt: Klimakrise, Fake News, Rechtsruck oder auch Qualifizierung für eine sich ändernde Arbeitswelt. An manchen Schulen stehen große selbstgestellte Baustellen im Vordergrund, z.B. eine Etablierung von Teamwork, jahrgangsübergreifendes Lernen oder Schulcurricula mitsamt eigener Unterrichtsmaterialien.

Der Pseudokonsens über die Veränderung von Schule

Foto: Pascal Fieseler, Agentur J&K

Jörans Kolumne aus der PÄDAGOGIK

„21st Century Skills“, „#zeitgemäßeBildung“, „Zukunftskompetenzen“, „Lernen neu denken“, „neue Lernkultur“, „New Learning“, „digitale Bildung“, „selbstbestimmtes Lernen“ … In den Debatten über Veränderungen von Lernen und Schule fehlt es nicht an großen Leitbegriffen. Das ist hilfreich, denn über solche Begriffe finden sich Gleichgesinnte zusammen, die an Veränderungen interessiert sind und dafür arbeiten wollen. Das Problem: Der Konsens, den solche Begriffe erzeugen, ist trügerisch. Dabei braucht es dringend gemeinsame Leitbilder als Nordsterne, an denen wir unser Handeln inmitten des stürmischen Wandels orientieren können.

Neues Buch „Schule 2035“ – Weltpremiere in Berlin am Abend der #KonfBD25

Jöran Muuß-Merholz hat ein neues Buch geschrieben. Es heißt Schule 2035 – Lernen nach Digitalisierung & KI. Es ist wohl nicht das erste Buch, das sich mit Bildung und Zukunft beschäftigt. Aber es ist das erste Buch AUS der Zukunft. Jöran porträtiert im Buch fünf Schulen im Jahr 2035 und deren Akteure. (Ähnlichkeiten mit real-existierenden Entwicklungen sind nicht zufällig.) 

Leadership in der Bildung – Weltbildungsbericht 2024/25

Die UNESCO veröffentlicht regelmäßig den Global Education Monitoring Report (GEMR). Er besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil wird ein Schwerpunktthema bearbeitet – dieses Mal geht es um Leadership in der Bildung. Der zweite Teil widmet sich dem weltweiten Fortschritt bei der Umsetzung der Agenda Bildung 2030 (SDG 4).

Jöran Muuß-Merholz präsentiert die Veröffentlichung der UNESCO-Broschüre „Leadership in der Bildung 2024/25“.

Neues Buch: Bildung für das Zeitalter von KI. Warum, was und wie Schülerinnen und Schüler für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz lernen müssen

Übersetzung und Nachwort von Jöran Muuß-Merholz

Die deutsche Version von Education for the Age of AI von Charles Fadel, Alexis Black, Robbie Taylor, Janet Slesinski und Katie Dunn ist Anfang 2025 erschienen. Von Jöran Muuß-Merholz kommen die Übersetzung und ein Nachwort, das wir unten im Volltext veröffentlichen.

Das Buch ist Nachfolger, Update und Erweiterung zum Buch Die vier Dimensionen der Bildung, zu dem ZLL21 e.V. und die Agentur J&K schon im Jahr 2017 die deutsche Ausgabe besorgten.

„Wir hatten die Stabilität des Systems Schule unterschätzt!“ – Digitalisierung als Dauerkrise

Franziska Carl im Gespräch mit Jöran Muuß-Merholz

Erschienen im Februar 2024 im Friedrich Jahresheft Nr. 2024 / 0 Krise

Franziska Carl (FC): Das Thema „Digitalisierung“ ist ein aktuelles Thema im Kontext von Schule und Unterricht – ein „neues“ Thema ist es aber eigentlich nicht. Wann hat die Thematisierung begonnen? 

Jöran Muuß-Merholz (JMM): Man kann die Geschichte von Digitalisierung und Schule von Anfang an als Geschichte von Krisen erzählen. Der SPIEGEL hat mal aufgeregt auf seinen Titel geschrieben: „Revolution im Unterricht. Computer wird Pflicht!“ Im Artikel wurde dann die Situation in Deutschlands Schulen wie folgt beschrieben: „Von einer neuen Bildungskrise ist die Rede, die zu schnellem Handeln zwinge, und von ‘technischen Analphabeten’, die auch unter Deutschlands Abiturienten überwögen. Dem Umgang mit dem Computer wird sogar gleicher Rang wie dem Lesen Schreiben und Rechnen gegeben: Zu diesen drei herkömmlichen ‘Kulturtechniken’ komme nun diese neue, vierte.“ Zitat Ende. Diese Ausgabe des Spiegels stammt aus dem Jahr 1984 – feiert also bald 40. Jahrestag.

Buch-Release: Digitale Zusammenarbeit 4.0 – die fehlende Gebrauchsanleitung.

Das Thema Zusammenarbeit finden irgendwie alle richtig und wichtig. Aber kaum jemand von uns hat systematisch gelernt, wie das gut funktioniert – vor allem unter digitalen Naturgesetzen? Wir haben unsere Antworten aufgeschrieben: in Form von 14 grundsätzlichen Prinzipien und 30+ praktischen Methoden. Am 4.11.2024 stellen wir das Buch in Hamburg vor.

Cover der im Text erwähnten zwei Bücher