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Der Pseudokonsens über die Veränderung von Schule

Diskussion zur PÄDAGOGIK-Kolumne Oktober 2021

„21st Century Skills“, „#zeitgemäßeBildung“, „Zukunftskompetenzen“, „Lernen neu denken“, „neue Lernkultur“, „New Learning“, „digitale Bildung“ … In den Debatten über Veränderungen von Lernen und Schule fehlt es nicht an großen Leitbegriffen. Das ist hilfreich, denn über solche Begriffe finden sich Gleichgesinnte zusammen, die an Veränderungen interessiert sind und dafür arbeiten wollen. Das Problem: Der Konsens, den solche Begriffe erzeugen, ist trügerisch. Dabei braucht es dringend gemeinsame Leitbilder als Nordsterne, an denen wir unser Handeln inmitten des stürmischen Wandels orientieren können.

„Der Pseudokonsens über die Veränderung von Schule“ ist Thema meiner Kolumne „Schlusspunkt“ in der PÄDAGOGIK (10/2021). Der Text ist bei Beltz als PDF frei verfügbar. Mit dem folgenden Video möchte zur Diskussion über meine Thesen einladen.

4 Gedanken zu „Der Pseudokonsens über die Veränderung von Schule“

  1. Sehr gutes Thema, was du ansprichst! Hatte erst mit falscher Konsens übersetzt. Aber nicht der Konsenz, sondern viele Ideen daraus gehen in die falsche Richtung. Richtig, diese Schlagworte erschlagen uns, sind begrifflich falsch u führen uns in die Irre. Sind natürlich viele gute Ideen dabei, aber wir müssen Prioritäten erkennen u entsprechend abarbeiten! Die an 1. Stelle gesetzte Digitalisierung ist es NICHT! Sie ist ein Lehr- u Lernmittel, deren Quelle der Lehrer ist! Wenn der Lehrer keine Professionalität hat, kann der Schüler nichts begreifen. Mein Motto: Einmal richtig begreifen können (abgeschloss. Lernvorgang), statt unnütz viel lernen müssen! Wir brauchen eine „Die neue Lehrphilosophie“, nachzulesen auf meiner site „lehrerreform.de“ mit einer revolutionierende Didaktik u anderen Vorschlägen der Unterrichts/Schulgestaltung!

  2. Konsens erzeuge ich in Institutionen zumindest grob mit einer Leitbildentwicklung. Schulen machen so etwas ab und zu – und sollten das aus meiner Sicht gerade in Zeiten von großen Veränderung auch verstärkt tun.

    Auch wenn ich nur indirekt in Leitbildentwicklung von SCHULE stecke müssen wir mit Haltung in den FoBi-Institutionen anfangen! Vor Kurzem haben wir mal für uns einen Aufschlag formuliert und aus unserer Praxis draufgeschaut. Das ist dabei rausgekommen: https://t1p.de/le1tl1n1e

  3. Wir einigen uns schnell auf große Begriffe, weil sie unklar sind und weil sie uns erlauben, noch nichts Konkretes entscheiden zu müssen, bei uns war das „Öffnung von Unterricht“. Solange wir über „zeitgemäße Bildung“ oder „Öffnung von Unterricht“ sprechen, muss niemand sein eigenes Handeln verändern. Der Konsens schützt uns erstmal vor der Zumutung der Konkretisierung.
    In Schulentwicklungsprozessen erlebe ich genau den Moment, den du beschreibst: Am Anfang herrscht breite Zustimmung („Ja, selbstständiger lernen, mehr Feedback, andere Prüfungskultur…“). Sobald es konkret wird („Was lassen wir dann weg? Was mache ich nächste Woche anders?“), kippt der Konsens dann in Widerstand.
    Ich glaube, das ist kein Widerspruch zum Entwicklungsziel, sondern eine Folge davon, dass erst jetzt Bedeutung entsteht und damit auch Verlustwahrnehmung.
    Vielleicht erklärt das auch, warum Ko-Konstruktion so oft besser funktioniert als Einführung: Nicht weil die Idee dadurch pädagogisch richtiger wird, sondern weil sie vom abstrakten Leitbild in eine gemeinsam getragene Praxis übersetzt wird. Der Pseudokonsens wird dabei nicht überwunden durch bessere Argumente, sondern durch gemeinsame Konkretisierung, ein gemeinsames Narrativ und gemeinsame Emotionen. Das ist mühsam und komplex, aber nachhaltig.

  4. Das finde ich sehr treffend beschrieben! Am Ende schreibst Du, dass es mühsam und komplex ist. Und hier liegt für mich auch ein Wert von ko-konstruktiven Prozessen: Das Ergebnis, ob das jetzt „Leitbild“ oder etwas anderes ist, sieht von außen dann oft gar nicht anders aus, als hätte man es auch genau so gut einfach von einer Schulleitung, einer Gruppe oder eine KI schreiben lassen können. Dennoch hat es für alle Mitwirkenden eine ganze andere Relevanz, weil es für sie mit eigener Bedeutung, Aushandlung und Verständigung verbunden ist, die über den oberflächlichen Konsens hinausgehen.

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