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Digitalisierung

Nicht jede:r muss alles können: OER braucht Struktur

Die Entwicklung von Open Educational Resources (OER) ist neben dem normalen Lehrbetrieb kaum zu schaffen. Der Schlüssel liegt in der Arbeitsteilung. Lehrende müssen nicht zu Medienprofis werden. Wenn jede:r das macht, was sie oder er am besten kann, entstehen OER, die wirklich funktionieren. So zeigt Bildungsexperte Jöran Muuß-Merholz auch, warum sich seit Jahren immer mehr Menschen für OER interessieren und wie aus vereinzelten Anstrengungen eine immer größere Bewegung wird. Doch wie wird Bildung eigentlich in zehn Jahren aussehen?

Bild zeigt Schild mit Aufschrift „Open all Year“.
Foto von Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 4.0.

Die stille Revolution im digitalen Fahrwasser

Foto: Pascal Fieseler, Agentur J&K

Jörans Kolumne aus der PÄDAGOGIK

Es gibt eine stille Revolution, die sich im Fahrwasser der großen Veränderungen der letzten Jahre entwickelt hat. Sie findet wenig Beachtung, weil unsere Aufmerksamkeit auf die großen Schiffe gerichtet war und ist – auf Inklusion, auf Geflüchtete, auf Digitalisierung, auf Corona. Dennoch geht es um eine mächtige Entwicklung, welche Schulen als Organisation und die Professionalität ihres Personals nachhaltig verändert.

Es geht um das Lernen der Lehrenden. Damit meine ich Fort- und Weiterbildung, Personal- und Schulentwicklung, Communities of Practice und lernende Organisationen – viele große Begriffe, und doch bringt keiner den Kern der Sache auf den Punkt.

Der Straßenlampeneffekt der Pädagogik und der Prüfungen

Foto: Pascal Fieseler, Agentur J&K

Jörans Kolumne aus der PÄDAGOGIK

Als die Polizistin spät am Abend die Straße patrouillierte, fiel ihr der Betrunkene auf, der um einen Laternenpfahl herum auf dem Fußweg kroch. Auf Nachfrage erklärte der Betrunkene, dass er seine Schlüssel verloren hatte, die er nun suche. Die Polizistin sah sich um, aber auch sie konnte die Schlüssel nicht finden. „Sind Sie sicher, dass Sie die Schlüssel an dieser Stelle verloren haben?“, fragte sie. Der Betrunkene antwortete: „Nein. Das war wohl drüben, auf der dunklen Straßenseite.“ Die Polizistin war verwirrt: „Aber warum suchen Sie dann hier?“ Für den Betrunkenen war die Sache klar: „Drüben ist es zu dunkel, um etwas zu erkennen! Deswegen suche ich hier, unter der Laterne.“

Diese Anekdote, die in verschiedenen Überlieferungen existiert, beschreibt den sogenannten Straßenlampeneffekt. Mit diesem Begriff wird in Debatten um wissenschaftliche Forschung die Tendenz beschrieben, dass Forscher*innen nicht unbedingt die relevantesten Effekte untersuchen, sondern diejenigen Effekte, die gut zu untersuchen sind. Wenn der Gegenstand von Interesse schlecht quantifiziert oder schlecht beobachtet werden kann, zieht man stattdessen solche Daten heran, die einfacher zu messen sind – aber nicht unbedingt das eigentliche Erkenntnisinteresse widerspiegeln.

Die größte Herausforderung für alle Schulen

Foto: Pascal Fieseler, Agentur J&K

Jörans Kolumne aus der PÄDAGOGIK

„Welche ist die größte Herausforderung, die in Ihrer Schulentwicklung derzeit ansteht?“ Das frage ich gerne, wenn ich für Vorträge in Schulen zu Gast bin. Die Antworten sind vielfältig, und es gibt Konjunkturen. Vor ein paar Jahren dominierten die Schlagworte Inklusion, Individualisierung und Binnendifferenzierung, ab 2015 verstärkt mit der Aufgabe, Schüler*innen mit Fluchterfahrungen zu unterstützen. An vielen Orten geht es um die inneren Umbauten, die aus äußeren Vorgaben folgen, beispielsweise nach Umstellungen im Schulsystem. In den letzten Jahren werden zunehmend gesellschaftliche Themen genannt: Klimakrise, Fake News, Rechtsruck oder auch Qualifizierung für eine sich ändernde Arbeitswelt. An manchen Schulen stehen große selbstgestellte Baustellen im Vordergrund, z.B. eine Etablierung von Teamwork, jahrgangsübergreifendes Lernen oder Schulcurricula mitsamt eigener Unterrichtsmaterialien.